Der Fortschritt hält sich am Geländer fest: Wo einst der bunte Stolz des Hobbygärtners duftend blühen durfte, klemmen heutzutage quarzgraue Solarpanele an den Brüstungen.
Zwei dieser sogenannten Balkonkraftwerke hat der Klimaschutzbeauftragte unseres Ferienhauses in einer Nacht- und Nebelaktion auf dem Dach der Garage aufgeständert. Die filigrane Modulkonstruktion beeindruckt durch die technische Wucht ihrer optischen Erscheinung. Der ästhetisch geschulte Betrachter wird das kühne Bauwerk zweifellos als den lange vermißten, krönenden Schlußstein des ohnehin schon wohlproportionierten Ensembles aus Remise, Schützenhalle, Grill, Strandkorb und Freisitz zu interpretieren wissen und im Angesicht so viel gestalterischer Expertise tief bewegt bekennen: „Das hat uns gerade noch gefehlt!“
Ein Narr, wer das gleißende Licht dieser weitsichtigen Baumaßnahme durch kleinteilige Bedenken zu verdunkeln sucht! Die Sonne spende ihre Energie naturgemäß nur dann, wenn gerade kein Bedarf an elektrischer Erleuchtung und Erhitzung bestehe? Null Problemo! Schon durch minimale Umstellungen des Tagesablaufs ist das Problem gelöst: Statt zur Nachtzeit sind alle elektrischen Verbraucher einfach ausschließlich am helllichten Tag einzuschalten. Ein kurzer Blick in die tagesaktuelle Sonnenstandskurve der Solarpanel-App und die Auswertung einiger weniger Wetterdaten ermöglicht im Handumdrehen die mühelose Kalkulation des günstigsten Inbetriebnahmezeitpunkts.
Dumm nur, daß alle Haushaltsmitglieder gerade erst mühevoll dazu erzogen wurden, es wegen des günstigen Nachtstroms genau umgekehrt zu machen.
Grüß mir die Sonne!